Das Tier    

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Sguardo Distratto / Verstellter Blick
Text: Katrin Plavcak

Fuorizona
Artecontemporanea
Macerata, Italy

2004

 

 

Der verstellte Blick / sguardo distratto meint eine Sicht auf die Welt in ihrer eigentlichen Art – nicht als optimiertes, klares Bild, sondern die Störfaktoren mitgedacht, gemalt.
Ein Versuch, die sichtbaren Zwischenablagerungen vor dem Auge und die vorgestellten hinter der Netzhaut, je nach Bedarf durch das Gehirn adaptiert, einzufangen.
Ein Mehrwert des Bildes, der sich auch mit der Textur der Dinge beschäftigt:
mit Geschwindigkeit, Auflösung und abstrakten Formen.

Die in der Ausstellung gezeigten Arbeiten versuchen einerseits den Blick des Betrachters auf die Bilder zu thematisieren und zu stören und legen auf der anderen Seite einen Filter über die Aussicht der Protagonisten.

Ich stelle mir vor, dass der Blick nicht nur in der Richtung Betrachter ? Bild verläuft, sondern dass auch dem Personal der Bilder eine gewisse Blickmacht zuerkannt wird, mit der sie aus dem Bild heraus auf den Betrachter schauen können.

„In the land of the blind the one eyed is king“ erzählt von dem geformten Blick fehlsichtiger Kinder, die sich mit ihrem schlechten Auge die Welt erklären sollen.
Die Farben, die die Landschaft markieren erhalten eine gewisse Autonomie und signalisieren die verwirrte Dreidimensionalität durch die Einschränkung der Sicht.

Im Bild „verstellter Blick“ findet eine Verdoppelung der Blickstörung statt – zwei zusätzliche Ebenen werden zwischen Betrachter und Bildsubjekt gestellt.
Der Betrachter wird durch einen Filter vom Bildobjekt betrachtet und findet sich selbst mit einer zerfallenden Bildinformation konfrontiert.

„PS-winken“ zeigt eine Frau als Litfasssäule, als Werbeträgerin in einer sehr direkten Form – ein Sportlogo ist direkt auf ihren Körper appliziert.
Die Streifen auf dem Bild orientieren sich farblich an dem darunter liegendem Bild – ein abstrakter Stoßdämpfer, der den voyeuristischen Blick fördert oder verhindert?

„Schmelzer“ zeigt Männer die andere Körper betrachten; sie scheinen in der Hitze zu zerfließen. Der Betrachter betrachtet Betracher – durch das Bild als Fenster öffnet sich ein Bildraum,
der mit sich selbst beschäftigt ist.

„Horsepower“ irritiert durch die Geste des Pferdebesitzers; die Macht eines Zeichens. Er lässt Pferdestärken kaufen und lässt sie reiten. Er würfelt und versucht sein Glück. Über ihm das Firmament als zufällige Geometrie.

 

   

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